gen betreffen niemals nur einzelne Arten."
(Peter Wohlleben: "Das geheime Netzwerk der Natur")

Am Sonntag hatte ich sowohl einen Schock als auch ein er-
freuliches Erlebnis, und beides schien miteinander zusam-
men zu hängen. Auf dem Weg zu meinen Eltern machte ich
einen Abstecher zum See. Zwar rechnete ich damit, dass es
dort nicht mehr ganz so aussieht wie bei meinem letzten Be-
such, denn sicherlich hatten die Stürme, allen voran Burg-
lind, auch hier ihre Spuren hinterlassen. Was ich dann aber
sah, das konnte nicht alles vom Sturm verursacht worden
sein! Ein grosser Teil der Ufervegetation, inklusive Schilf
und Brennesseln, das war alles weg! Und das war von
Menschenhand entfernt worden, so viel war offensichtlich!
Nicht von irgendwelchen Vandalen, keineswegs, dazu war
zu gründlich vorgegangen worden. Nein, da waren Gemeinde-
arbeiter am Werk! Bei meinen Eltern erfuhr ich dann, dass
die Gemeinde das kleine Bächlein, das in den See fliesst,
weiter freilegen will, bis zu den ersten Häusern hinauf.
Aber das hätte doch das Ufer nicht beeinträchtigen müssen!?
In den Bäumen, die dort wuchsen, hatten wir schon manche
Elster gesehen, manchen anderen Vogel, in einem sehr heis-
sen Sommer waren dort sogar riesige Bockkäfer zuhause,
die uns ziemlich erschreckten, wenn sie auf uns zugeschwirrt
kamen. Das Schilf war Unterschlupf für Stockenten, Bläss-
hühner und, gerade jetzt im Winterhalbjahr, Teichhühner, die,
von Norden kommend, bei uns überwintern. Eigentlich wäre
das Seeufer Naturschutzgebiet, aber die Gemeinde darf dort
roden und kahlschlagen, wie es ihnen gerade passt! Ich weiss
echt nicht, was sie sich dabei gedacht haben!
Und doch gab es eine erfreulichere Seite an der ganzen Misere.
Ich sah- zum ersten Mal in meinem Leben- eine Wasseramsel
vorbeifliegen. Vorher hätte sie sich wohl im Dickicht versteckt-
wobei Wasseramseln nicht zu den verstecktesten Vögeln zählen-,
so aber zeigte sie sich offen und erfreute mich mit ihrem An-
blick. Dennoch- der Lebensraum für all die Enten, Rallen, Hau-
ben- und Zwergtaucher, Rohr- und Zwergdommeln, der sollte-
trotz allen Veränderungen- erhalten bleiben. Gerade in einem
Habitat, das als Naturschutzgebiet gekennzeichnet ist...!
Kann sein, dass die Erweiterung des Baches eine ganz gute
Sache wird, aber am Ufer des Sees... da wird die Gemeinde
einiges wieder gut zu machen haben!
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