Mittwoch, 15. August 2018

Aufzeichnungen eines Aussenseiters, 15.8.2018

Ein Mann fragt eine Frau nach ihrer Natelnum-
mer, doch diese sagt Nein, und am Ende finden
beide doch zueinander.

Was nach einer x-beliebigen Hollywood-Schmon-
zette klingt, ist die Geschichte, die im mittlerwei-
le erfolgreichsten Song der Schweiz erzählt wird:
"079" von Lo und Leduc. Und diese Geschichte
soll angeblich sexistisch sein... So jedenfalls äus-
serte sich die Juso-Chefin Tamara Funiciello da-
rüber. Die Frau brauchte wohl mal wieder einen
Grund, um in die Zeitung zu kommen, also wird
mal irgend ein Ausspruch auf die Welt los gelas-
sen, um eine Diskussion anzuregen... Lo und Le-
duc selber begrüssen diese Diskussion natürlich-
klar, dadurch wird der Song auch bei denen noch
bekannt, die bisher davon verschont waren!
Tut mir leid, Frau Funiciello, aber dies finde ich
nicht anregend, schon gar nicht zu einer Diskus-
sion. Fast alle Songs, die im Radio laufen, müss-
ten demnach ja auch sexistisch sein! Man denke
nur mal an Züri West mit "I schänke dir mis Härz",
da ging es sogar um eine Prostituierte. Sogar Polo
Hofers "Alperose" handelte eigentlich von Sex!
Wollen Sie, Frau Funiciello, uns diese Klassiker
etwa auch noch miesmachen, in ihrem mittlerwei-
le doch etwas übertriebenen Feminismuswahn?
Nichts gegen Feminismus an sich, aber Songs sol-
len Geschichten erzählen und unterhalten. Und
was ist mit dem Rock'n'Roll? Diese Bezeichnung
war ursprünglich ein Slangausdruck für Geschlechts-
verkehr! Und die von mir geliebte Countrymusik?
Ohne die ganzen Honky Tonk Songs über "Cheating
And Drinking" gar nicht vorstellbar! Und dann na-
türlich der Blues, der vor zweideutigen Zoten nur so
strotzt! Nein, Frau Funiciello, lassen Sie Ihre "Poli-
tical Correctness", an die Sie sich sowieso selber
gar nicht halten, wie Ihre damalige Aussage über
Donald Trump zeigte, auf dem Gebiet der Politik,
aber halten Sie sich bitte aus der Kunst des Songwri-
tings heraus! Bei Trump hingegen bin ich mit Ihnen
einer Meinung- der ist aber glücklicherweise auch
kein Musiker.
Und für meine Leser hier ein paar Songzitate, die
um einiges sexistrischer sind- und oft sogar gewollt-
als die harmlosen Zeilen von Lo und Leduc:

"I have a little red rooster, too lazy to crow for day"
(Howlin' Wolf: "Little Red Rooster"

"Don't put no more baking powder in your bread, you see
Because your biscuits are big enough for me"
(Bo Carter: "Biscuits")

"What's the matter with the mill?
It's all broke up."
(Memphis Minnie: "What's The Matter With The Mill?"

Das sind alles Bluesklassiker der 1930er bis 1960er,
und einer davon stammt sogar von einer Frau. So was
würde ich gerne mal wieder am Radio hören, weil-
ich gebe es zu, und ich fühle mich deswegen nicht als
Sexist-, ich diese Songs amüsant finde, gerade auch,
weil sie nicht alles so ernst nehmen. Wenn so was
nicht mehr gespielt werden darf, dann sind Sie daran
mit schuldig- und dann, Frau Funiciello, geben Sie
mir nur einen Grund mehr, Sie niemals mehr zu wäh-
len!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen