Bäume lassen ihre Blätter fallen, und doch gehen einige Menschen noch
in den See, um ein paar Züge zu schwimmen. Auch ich war in den letzten
Tagen noch im See. Das Wasser fühlt sich an wie das Wasser eines Berg-
sees im Sommer, also kalt. Kein Wunder, dass einige Schwimmer, nach-
dem sie wieder an Land sind, gerne von der Möglichkeit Gebrauch ma-
chen, dass sie gleich dort, auf dem Areal des Seebades, warm duschen
können.
Dort hat es nämlich Duschen, deren Wasser durch Solarenergie geheizt
wird. Und obschon die Sonneneinstrahlung merklich abgenommen hat,
ist das Duschwasser wärmer als im Sommer. Im Sommer, während der
Badesaison, wurden diese Duschen nämlich so stark frequentiert, dass
das Warmwasser oft nicht mal bis zum späten Nachmittag ausreichte.
Nun aber, da nur noch wenige Schwimmer es wagen, in den See zu
gehen, und auch nicht alle davon diese Duschen benutzen, reicht der
Vorrat an Warmwasser länger. Ich selber benutze die Duschen am See
eher selten, weil ich das Seewasser an sich einfach angenehm finde.
Ein paar Züge zu schwimmen im kühlen See an einem noch milden
Herbsttag, es gibt nichts Besseres, um Sorgen und Verstimmungen weg-
zuspülen. Weder Alkohol noch Antidepressiva wären da eine Alternative
dazu, sollte es in den nächsten Tagen zu kalt werden, um dies weiter zu
tun. Ich hoffe also, dass der Winter noch etwas wartet und wir zuvor
noch einen schönen Herbst, einen sogenannten "Altweibersommer" ge-
niessen können. "Altweibersommer" heisst nicht, dass sich alte Weiber
dann neue Bikinis kaufen; ich weiss leider nicht, warum ein sonniger
Herbst "Altweibersommer" genannt wird. Im englisch-sprachigen Raum
nennt man ihn "Indian Summer". Keine Ahnung, was die Indianer oder
die alten Weiber dazu sagen. Indianer kenne ich keinen, und alte Weiber
habe ich keine dazu befragt.
Mit dem Herbst kommen seit einigen Wochen vermehrt Fischer an den
See. Früher, da kamen Fischer und Schwimmer noch miteinander aus,
aber da hatte jeder Fischer einfach eine Angel, das genügte ihm. Heute
hat jeder Fischer ganze Apparaturen mit zwei bis drei Angeln und Blink-
lichtern, die Meldung geben, leuchten und piepsen, wenn ein Fisch ange-
bissen hat. Wenn sich nun natürlich mehrere Fischer mit solchen Appara-
turen am selben Ort aufhalten, an dem auch die Schwimmer ins Wasser
wollen, dann wird der Platz knapp, und es kam auch schon zu Auseinan-
dersetzungen zwischen Fischern und Schwimmern. Ich finde, man kann
doch so was friedlich regeln. Aber ich finde auch, dass diese ganze Tech-
nik, die von den Fischern da aufgefahren wird, doch im Gegensatz steht
zu der Philosophie einer Tätigkeit in der freien Natur. Okay, ob Fischen
als Tätigkeit betrachtet werden kann- viele betrachten es ja sogar als Sport-
Nichtfischer wie ich können das nicht beurteilen. Für mich sieht das eher
langweilig aus. Abgesehen davon könnte ich wahrscheinlich auch keinem
Fisch das Lebenslicht ausknipsen. So was sollte man als Fischer schon
können. Ich esse zwar gerne Fisch, aber selber wäre ich nicht zum Fischer
geeignet. Zum Glück für die Schwimmer, wenigstens einer, der das Ufer
nicht noch mit weiteren Angeleinrichtungen versperrt...
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