Mittwoch, 2. Oktober 2013

Aufzeichnungen eines Aussenseiters, 2.10.2013

Jetzt ist wieder die Zeit der Betrunkenen, der Alkoholleichen, zumindest
in einem Teil der westeuropäischen Welt. In München hat, und dies
bereits im September, das Oktoberfest begonnen, das traditionelle Fest
der Biertrinker. Da heisst's dann "Oazapt ist", und "Oans, zwoa, gsuf-
fa" und "Ein Prosit der Gemütlichkeit". Das Oktoberfest gilt als das
grösste Volksfest der Welt, und obschon es dort, auf der "Wiesn",
wie der Bayer sagt, durchaus auch andere Attraktionen hat, uns Aus-
serbayern, die wir die Sprache dieses Volks selbst dann kaum verste-
hen, wenn sie nüchtern sind, uns ist es vorwiegend wegen dem Bier
bekannt. Und wegen den "feschen Maderln" in ihren "Dirndln".

So ein Dirndl, das macht schon was aus, da schaut so manches "Madel",
das sonst vielleicht als "graue Maus" gelten würde, aus, dass so man-
chem Bayern, aber auch manchem Touristen, die Augen aus dem Kopf
fallen, weil's die Kurven so betont, vor allem die obenrum. Aber das
mit dem Bier... dabei ist das Bier sogar der eigentliche Grund für das
Oktoberfest. Ab 1810 wurde das Münchner Oktoberfest nämlich gefeiert,
damit die Brauereien das bis dahin überschüssige, bereits gebraute Bier
loswerden konnten. Und heute wird für's Oktoberfest ein eigenes, ein
spezielles Bier gebraut, das sogar mehr Alkohol enthält als ein normales
Bier. Und der Bayer liebt sein Bier, heisst es. Was die Trinkfestigkeit
betrifft ist der Bayer den Deutschen das, was uns Schweizern der Berner
ist. Beiden sagt man nach, sie wären bedächtig und würden gern essen
und trinken. Und dass sie einen sturen Kopf hätten, auch das sagt man
beiden nach. Der Berner hat sogar einen solch sturen Kopf, dass er einen
eigenen Namen dafür braucht, nämlich "Gring". Wenn man sich so be-
denkt, was dem Bayern alles nachgesagt wird und wie er diese Klischees
auch öffentlich gerne mal vertritt- das sprichwörtliche "bayrische Urviech"-
dann ist es auch kein Wunder, dass die beliebtesten deutschen Komiker
aus Bayern stammten. Das war bei Karl Valentin so- der optisch zwar
nicht dem Klischéebild eines Bayern entsprach-, und das ist bei Gerhard
Polt so, der dem Klischéebild zu 100% entspricht. Gerhard Polt hat so-
gar eine Nummer, in der spielt er einen Sicherheitsbeauftragten am Ok-
toberfest, der einen Besucher, der bloss still da sass, herausgeworfen hat,
weil der Aerger gemacht hätte. Der hätte nämlich nichts gesoffen!
So gesehen wäre ich, wenn ich auf so ein Oktoberfest gehen würde, auch
einer, der Aerger macht, weil ich nämlich sowieso keinen Alkohol trinke.
Deshalb geh' ich auch auf kein Oktoberfest. In der Schweiz gibt's so was
nämlich inzwischen auch, wenn auch kleiner. Während gleichzeitig in
den Medien und von den Politikern vor Alkoholmissbrauch gewarnt wird.
Die bayrischen Politiker geben wenigstens zu, dass sie saufen!
Im Sommer gibt es in einigen Ortschaften der Schweiz übrigens auch so
eine Art "Oktoberfest", so ein Trinkfestival, das nennt sich "Bar-und
Pubfestival". Da war ich auch noch nie. Ich weiss nicht, was ich, als Ab-
stinenzler, an einem Bar-und Pubfestival soll. Im Sommer geh' ich doch
lieber in die Natur, an den See, in den Wald oder in die Berge. Da hab'
ich mehr davon, und das erst noch bei klarem Kopf.
Deutschland kann sich im Oktober nicht nur in München am Oktober-
fest zuprosten. Morgen, am 3.Oktober, feiern sie dort den "Tag der
deutschen Einheit". Allerdings ist dieser mehr für Politikerreden als für
feucht-fröhliches Feiern bekannt. Wobei Politikerreden und das Gela-
ber von Betrunkenen- also inhaltlich kann man das manchmal durchaus
vergleichen. Na dann, prost!

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