Dienstag, 10. September 2013

Aufzeichnungen eines Aussenseiters, 10.9.2013

Meine Freundin hatte gestern eine Operation, freiwillig. Bei ihrem Bypass
wurde etwas "optimiert". Ich war beim Vorgespräch dabei, und soweit ich
es, als einziger Nicht-Mediziner im Raum verstand, (meine Freundin arbeitet
selber im medizinischen Bereich) wurde auf einer Seite etwas weggeschnitten
und auf der anderen Seite etwas drangehängt.
Montag morgen, 9 Uhr: Der Eintritt in's Spital. Bei der Information wurde
uns gesagt, auf welcher Station sie wäre, wir sollten uns dort melden.
Station Q. Wir gingen zu den Fahrstühlen und drückten auf Q. Die Anzeige
zeigte uns an (dazu sind Anzeigen schliesslich da), dass Lift 1 nach Q fährt.
Wenn man dies im Nachhinein aufschreibt, kommt es einem fast wie eine
mathematische Gleichung vor. 1xX+2xY oder so was in der Art. Ich war nur
auf der Primarschule und hatte nie Algebra. Und bei einem Wort wie "Algo-
rhythmus" vermute ich zuerst einmal einen musikalischen Takt. Pythagoras
war Vegetarier, aber an seinen Knochen nagen wir noch heute. Mir persön-
lich sind Fahrstühle lieber, wenn sie Knöpfe haben, auf denen "UG", "EG"
und ein paar Zahlen stehen, auch wenn ich sonst lieber mit Buchstaben als
mit Zahlen umgehe. Buchstaben heissen übrigens Buchstaben, weil die ganz
frühen Runenplättchen (Runen waren ja im germanischen Raum so was wie
Vorgänger der Buchstaben) aus Buchenholz waren.
Wir meldeten uns auf Station Q, und sie bezog ihr Zimmer. Für die Opera-
tion, die um 11 Uhr angesetzt war, musste sie nüchtern sein. Sie fragte, ob
sie Kaugummi kauen dürfe, der Pfleger meinte, das wäre okay. Kurz darauf
erschien eine der Aerztinnen, die meinte, Kaugummi sollte auch unterlassen
werden, das gelte sonst auch nicht mehr als nüchtern.
Ich weiss noch, dass ich, als ich zum ersten Mal für eine Untersuchung nüch-
tern erscheinen musste, als ich dies hörte, erst dachte: Moment mal, ich bin
doch immer nüchtern, ich trinke doch gar keinen Alkohol! Damals klärte mich
meine Mutter darüber auf, dass "nüchtern" im medizinischen Wortgebrauch
"mit leerem Magen" bedeutet. Der Berner Troubadour Jacob Stickelberger
hat mal ein Chanson über den medizinischen Sprachgebrauch veröffentlicht,
wobei es darin um die Begriffe "positiv" und "negativ" ging. Die Mediziner
sind die einzigen Menschen auf der Welt, die es schaffen, den Begriff "posi-
tiv" negativ zu besetzen.
Wir mussten erstmal warten. Sie zog sich schon mal das Spitalhemd an und
legte sich in's Bett. Sie hatte sich einen Gummihandschuh geholt, den sie wie
einen Luftballon aufblaste, zuknüppelte und über dem Bett anband. Dann
malte sie mit Kugelschreiber ein Gesicht drauf.
"Ich könnte eigentlich etwas auf meinen Bauch schreiben", meinte sie, und
sie schrieb "Viel Erfolg" auf ihren Bauch.

Etwa zwischen 12 und halb eins ging ich dann. Heute morgen kam ihre SMS,
es wäre alles gut verlaufen, nachmittags ging ich sie besuchen. Um 13 Uhr
hatte die Operation stattgefunden. Heute kamen ihre Eltern, doch von den
Zeiten her, die ich dort war, verpassten wir uns knapp. Als ich bei ihr war,
erzählte ich ein paar Witze. Einige hatte ich gestern abend im Bekanntenkreis
gehört, andere gelesen. Einige davon seien hier kurz wiedergegeben, da ich
sie zu gut fand, um sie nicht doch noch aufzuführen:
-Was sagten die Russen, als Charles deGaulle Moskau besuchte?
"So einen grossen Pariser haben wir noch nie gesehen!"
-Zwei Bauernsöhne wurden von ihrem Vater zum Viehmarkt geschickt, sie
sollten dort einen Zuchtstier kaufen. Er gab ihnen genügend Geld mit und
meinte, mit dem Wechselgeld könnten sie anstellen, was immer sie wollen.
Sie fanden einen preiswerten Stier und hatten so viel Wechselgeld übrig, dass
sie beschlossen, alt genug wären sie ja bereits, noch in's Bordell zu gehen.
Dort angekommen, meinten sie, den Stier könnten sie nicht unbeaufsichtigt
lassen, der würde möglicherweise noch geklaut, der müsse mit auf's Zimmer.
Als sie wieder gegangen waren, kam die Nutte, bei der sie waren, total zer-
kratzt, blutend und zerschunden die Treppe runter. Die Puffmutter fragte
sie: "War das so schlimm mit diesen Bauern?"
"Zuerst war's harmlos", meinte sie, "aber dann kam derjenige mit dem Wi-
kingerhelm und der Lederschürze..."
-Adolf Ogi, damals noch Bundesrat, war auf einer Tagung in Berlin und
wurde Zeuge wie Gerhard Schröder Helmut Kohl fragte: "Helmut, ich
habe ein Rätsel für dich: Es ist nicht dein Bruder, es ist nicht deine Schwe-
ster, aber es ist trotzdem das Kind deiner Mutter. Wer ist das?"
"Also, das ist einfach. Das bin natürlich ich."
Zurück in der Schweiz wollte Ogi seine Bundesratskollegen auf die Probe
stellen und fragte Pascal Couchepin: "Was isch das: Es isch nid di Brueder,
s'isch nid di Schwöschter, aber s'isch glich es Chind vo diner Muetter?"
Couchepin überlegte lange und meinte dann: "Also, Adolf, isch komm'
nischt drauf. Was ist es?"
"Das isch dr Helmut Kohl."
-Helmut Kohl wurde von einem Passanten angesprochen: "Herr Dr. Kohl,
endlich treffe ich Sie einmal persönlich. Ich habe schon so viel von Ihnen
gehört."
Darauf Kohl: "Aber beweisen können Sie mir nichts!"
-Ein Schafzüchter ging mit seiner Herde durch das Tal, da hielt ein Van an
und ein Mann stieg aus, der den Schafzüchter ansprach: "Wenn ich erraten
kann, wie viele Schafe in Ihrer Herde sind, gehört dann eines davon mir?"
"Einverstanden."
Der Mann nahm sein iPhone zur Hand, benutzte GPS und Google Street View
und Excel und was es noch so alles gibt, und meinte dann: "Es sind genau
2536 Schafe."
"Richtig. Holen Sie sich eines."
Er packte ein Tier in sein Auto, da meinte der Schafzüchter: "Wenn ich erraten
kann, welchen Beruf Sie ausüben, kriege ich mein Tier dann zurück?"
"Okay."
"Sie sind Unternehmensberater."
"Richtig. Woher wissen Sie das?"
"Ganz einfach: Sie kommen, wenn keiner Sie gerufen hat, erzählen mir etwas,
das ich längst selber weiss und haben von der ganzen Sache keine Ahnung.
Und jetzt geben Sie mir umgehend meinen Hund zurück!"
-Ein Chirurg, ein Mechaniker und ein Informatiker stritten sich darüber, wer
von ihnen den ältesten Beruf hätte. Der Chirurg meinte: "Gott schuf Eva aus
einer Rippe von Adam, also brauchte er damals schon einen Chirurgen."
Der Mechaniker meinte: "Das Universum entstand aus dem Chaos. Irgend-
jemand musste das Chaos flicken, also brauchte es damals schon Mechaniker."
Der Informatiker dazu, im Brusston der Ueberzeugung: "Und wer, denkst du,
hat das Chaos wohl verursacht?"
Und ein besonders schöner zum Abschluss: Ein Franzose, ein Deutscher und
ein Schweizer diskutierten darüber, wo die Kinder herkommen. Der Franzo-
se meinte: "Je ne sais pais, mais je pense, l'important c'est l'amour."
Der Deutsche meinte: "Also, ich glaube, das hat was mit dem Sex zu tun."
Und der Schweizer: "Bei uns ischt das von Kanton zu Kanton verschieden."

Wir hoffen, dass meine Freundin am Donnerstag wieder nach Hause kann.

(Anmerkung am Rande: Der abgebildete Bauch ist nicht jener meiner
Freundin. Derjenige auf dem Bild stammt aus dem Internet. Die scheinen
dort derzeit im Sonderangebot zu sein, für all Diejenigen, welche noch
keinen haben...)

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