wollte sich eigentlich anmelden, damit sie, von der Schweiz aus,
mitwählen kann. Das ist so ähnlich wie bei Schweizern, die im
Ausland leben, die dürfen in der Schweiz auch mitwählen. Leider
vergass sie dann, das Formular auszufüllen oder abzuschicken, und
nun ist es zu knapp geworden. Manchmal beneidet sie uns Schwei-
zer darum, dass wir nicht nur wählen, sondern auch abstimmen
gehen können. Der Segen unserer direkten Demokratie, den wir
oft viel zu wenig schätzen! "Die da oben machen doch eh, was sie
wollen", heisst es dann oft, aber wir haben wenigstens- was die mei-
sten anderen Länder nicht haben- eine gewisse Handhabe, denen "da
oben" die Richtung zu weisen. Kurz nach den Wahlen in Deutsch-
land werden auch wir wieder einmal zur Urne gerufen. Nicht, um auch
zu wählen- bis dahin dauert es noch eine Weile- sondern, um abzustim-
men. Drei Vorlagen sind es, über die das Volk entscheiden muss. Die
erste betrifft den Wehrdienst, sprich: die Militärpflicht. Bisher war un-
sere Milizarmee, die, der Neutralität der Schweiz wegen, zur Ab-
schreckung und Verteidigung dient, nicht zum Angriff, für jeden
Schweizer Mann obligatorisch. Jeder Schweizer Bürger muss an eine
Musterung, bei uns "Aushebung" genannt, und wird dort eingeteilt.
Dann kommt das Aufgebot zur militärischen Ausbildung, der Rekruten-
schule (RS). Ich mag mich noch an meine Rekrutenschule erinnern. Ich
war bei den Versorgungstruppen eingeteilt, kam aber am dritten Tag,
mit einem psychiatrischen Gutachten in der Tasche, nach Hause. Es
hiess, es würde eine zweite Aushebung stattfinden, da würde mein Fall
noch mal angeschaut. Vor der zweiten Aushebung ging ich zu meinem
Hausarzt, der mir sagte: "Sie hätten schon vor der ersten Aushebung
kommen sollen. Ich hätte Ihnen von Anfang an sagen können, dass Mi-
litär nichts für Sie ist. Man muss sich schliesslich auch vor Augen hal-
ten, was Militär eigentlich ist: Da wird auf einen möglichen Kriegsfall
vorbereitet. Das ist nicht Jedermanns Sache."
Bei der zweiten Aushebung hatte ich ein ärtzliches Attest dabei und
wurde für "dienstuntauglich" erklärt. Mir war das ganz recht, obschon
ich deswegen lange Dienstersatz bezahlen musste. Hin und wieder
konnte ich einen Einsatz im Zivilschutz leisten, was ich zwar eine
wichtige und gute Institution finde, aber auch nicht unbedingt für das
Gelbe vom Ei halte. Und nun gibt es seit einigen Jahren auch für Frauen
die Möglichkeit, Militärdienst zu leisten.
Ich meine, starke Frauen, klar, dieses Ansinnen von weiblicher Seite, da
hab' ich nichts dagegen, ich war nie derjenige, der bloss ein "dämliches
Heimchen am Herd" wollte, aber wozu müssen Frauen den Männern den
Blödsinn nachmachen? Wenn eine Frau unbedingt in's Militär will, okay,
dann ist das ihre Sache, aber wäre es nicht besser und klüger, stattdessen
etwas den Frieden förderndes zu machen? Und zwar sowohl von der
Frauen- als auch von der Männerseite her?
Eine der Vorlagen, über die wir abstimmen müssen, betrifft eine Initiative,
welche den Wehrdienst freiwillig machen möchte. Hauptinitianten waren
Mitglieder einer Gruppe namens "Gruppe Schweiz ohne Armee" (GSoA),
die vor allem von der politischen Linken Zuspruch erhält. Die Rechten,
die meist konservativer denken, wehren sich vehement dagegen: "Die
Schweiz ist nicht mehr sicher!"- "Wie sollen wir uns gegen Angriffe von
aussen wehren?"- "Niemand würde freiwillig Wehrdienst machen!"
Nun, ich lernte schon Menschen kennen, die Berufsmilitär machten, das
gibt es nämlich in der Schweiz durchaus auch, also würde ich letztere
Aussage nicht unbedingt unterschreiben. Vor der Abstimmung wird
jedenfalls an allen Fronten gekämpft, und dabei meine ich nicht etwa mit
Sturmgewehr und Panzer, sondern mehr verbal. Beide Lager sind, mit
ziemlicher Medienpräsenz, auf Stimmenfang.
"Die Schweiz ist sicher, auch wenn unsere Armee freiwillig wird."
"Blödsinn! Was sollen wir denn dann machen, wenn der Euro kommt?
Oder der Fürst von Liechtenstein?"
Okay, das war jetzt natürlich satirisch übertrieben. Aber Politiker über-
treiben ja selber immer gerne, wenn sie etwas durchbringen wollen, und
zwar in beiden Lagern. Ich selber habe mir jedenfalls meine Meinung
bereits gebildet. Ich kann von niemandem verlangen, gleicher Meinung
zu sein, ebenso wenig will ich Jemanden beeinflussen, aber meine Mei-
nung habe ich mir gebildet, und dementsprechend das Abstimmungs-
couvert bereits eingeworfen.
Bei dem ganzen Rummel um die Arnee-Abstimmung gingen die zwei
anderen Vorlagen beinahe verloren: ein neues Epidemiengesetz und
die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Oder irgendwas in der
Richtung. Bei einem davon habe ich mir- schliesslich habe ich selber
im Detailhandel gearbeitet- meine Meinung auch bereits gebildet, doch
es würde zu weit gehen, hier dieses Thema auch noch durchzunehmen.
Beim anderen Thema hingegen, da steht, meiner Meinung nach, so
sehr Aussage gegen Aussage, ausserdem kenne ich mich da zuwenig
aus, da habe ich mir erlaubt, eine Stimmenthaltung abzugeben. Nicht
immer ist alles so klar, wie man sich das wünscht, und manchmal hat,
wer die Wahl hat auch die Qual.
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