
Immer, wenn ich irgendwo einen Witz über Telefonsex höre oder lese,
kommt mir Charles Bukowski in den Sinn. Der schrieb einmal eine
Kurzgeschichte, in der er die Bezeichnung "Telefonsex" ziemlich
wörtlich nahm. Da schraubte ein Mann bei seinem Telefon die Hörer-
Muschel ab- man merkt, dass die Geschichte vor langer Zeit geschrie-
ben wurde, als Telefone noch Hörermuscheln und Wählscheiben hatten-
und pimperte das Telefon. Allein schon die Idee, so etwas zu schreiben,
fand ich spitze! Und das zu einer Zeit, als Telefonsex noch gar nicht
so bekannt war! Ich war bereits im Teenager-Alter, als das Phänomen
Telefonsex auch bei uns Einzug hielt. Ich selber habe es allerdings nie
ausprobiert. Was ich vom Hörensagen und durch die Medien erfuhr-
wobei ich dem Hörensagen mehr Vertrauen schenkte als den Medien-
reichte mir völlig aus, dass ich sagen konnte, das macht mich nicht an.
Wozu soll ich einen Haufen Geld für einen überteuerten Tarif ausgeben,
nur um mir anzuhören, wie mir eine Frau etwas vorstöhnt? Aber wem's
gefällt... Dylan Thomas jedenfalls kannte so etwas wie Telefonsex noch
gar nicht, der musste zum Onanieren noch seine eigene Phantasie bean-
spruchen. Dylan Thomas stand nämlich öffentlich dazu, ein "Anhänger
der Onanie" zu sein, was ihm seine Gegner, insbesondere natürlich jene
aus konservativen und gläubigen Kreisen, immer wieder vorwarfen.
Dabei zeigte der walisische Dichter doch ein grosses Ausmass an gerade
der Tugend, die seinen Gegnern, obschon sie sie immer wieder als gros-
se Tugend hervorhebten und sich ihrer sogar rühmten, irgendwo zwischen
Kirchenbank und Bordell abhanden kam: Ehrlichkeit. Aber mal ehrlich:
Welcher Mann hat nicht in seinem Leben schon mal gewichst? Wohl
höchstens einer, der völlig asexuell ist! Selbst der Country-Sänger Waylon
Jennings soll mal gesagt haben, es gäbe wahrscheinlich mehr Frieden auf
der Welt, wenn jeder Mann morgens erst mal abspritzen würde. Willie
Nelson meinte, da würde der Genuss von Gras mehr dazu beitragen. Polo
Hofer wurde zu dieser Debatte, meines Wissens wegen, nie befragt. Viel-
leicht hätte er sonst das "Nonplusultra" gewählt: beides gleichzeitig. Dabei
fällt mir ein alter Witz ein. Was passiert mit einem Mann, der sich eine Via-
grapille einwirft und einen Joint raucht? Er könnte stundenlang, aber es ist
ihm egal.
Oder die folgende Gesprächssituation zwischen zwei Männern:
"Weisst du eigentlich, wie eine Viagratablette von innen aussieht?"
"Nein."
"Armer Kerl, brauchst du auch eine ganze?"
Wie bin ich überhaupt auf so was gekommen? Ach ja, wegen Charles Bu-
kowski. Der Mann hatte- es mag Leute geben, die mir hier widersprechen-
aller Unflätigkeiten zum Trotz, mehr Niveau als viele seiner Bewunderer
und Nachahmer, von denen keiner je an ihn heran reichte. Einfach nur ein
paar Schweinereien aufzuschreiben und das dann Literatur zu nennen, das
reicht bei Weitem nicht. Egal, ob es sich um die Feder eines Mannes oder
einer Frau handelt. Die meisten Erotikromane werden heutzutage erstaun-
licherweise von Frauen geschrieben. Bukowski schrieb zwar über Sex, und
dies ausgiebig, aber er wird in den meisten Buchhandlungen nicht (oder
nicht mehr) in der Schmuddelecke geführt. Das schafften von den Autoren,
die so explizit über Sex schrieben, ansonsten wohl nur Casanova, de Sade
und Sacher-Masoch. Henry Miller war zu intellektuell, um in dieser Liste
noch erwähnt zu werden. Und heute? Heute kommt eine junge Frau mit
einem ganzen Roman über Selbstbefriedigung und Körperflüssigkeiten
heraus, und alle scheinen sie für die neue Anais Nin zu halten! Da denke
ich mir doch im übertragenen Sinne: Es wäre manchmal gar nicht so
schlecht, wenn unsere Telefone wieder Hörermuscheln hätten- die litera-
rischen Ideen waren damals einfach besser! Und jetzt entschuldigt mich,
ich bin gerade auf den Geschmack gekommen und werd' mir wohl noch
kurz einen runter holen...
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