Freitag, 29. Mai 2015

Aufzeichnungen eines Aussenseiters, 29.5.2015

Mal im Ernst, irgendwie sind wir doch alle gegen irgend-
etwas allergisch. Sogar ich reagiere gegen irgend etwas,
muss ich doch hin und wieder zur Sonnenbrille greifen,
um meine leicht brennenden Augen zu schützen.

Und das, obschon ich Sonnenbrillen nicht wirklich mag.
Ich finde immer, man sieht alles so dunkel, so verfälscht.
Heute z.B. musste ich die Sonnenbrille kurz abnehmen,
um feststellen zu können, ob das, was da vor mir auf dem
Boden lag ein zusammengekrümmtes Blatt oder ein ver-
trockneter Bergmolch war. Es war ein Blatt. Wie ich aber
erst kürzlich erfahren habe, wurden sogar am See in mei-
ner Wohngegend- also eher etwas weg von den Bergen-
Bergmolche gesichtet. Aber seit uns hier- so weit gegen
Süden vordringend- eine eigentlich nördliche Weiss-
wangengans besucht hat, überrascht mich kaum noch was.
Aber zurück zum Eingangsthema: Allergien. Jahrelang
hatte ich nie mit irgendwelchen derartigen zu kämpfen-
stets war mein Bruder derjenige in der Familie, der an
Heuschnupfen litt- hat es bei mir vor einigen Jahren
wohl auch angefangen. Nicht etwa Heuschnupfen,
aber einige Pflanzen gibt es, auf die ich wohl doch
reagiere. Storchschnabelgewächse zum Beispiel, also
die Gattung Geranium, ein bisschen wohl auch auf
Pelargonium, "unsere" Balkongeranie, die ja eine
domestizierte Zuchtform ist, welche aus Geranium
entstanden ist. Ausgerechnet jene Blume, die in einer
Zeitung zu Beginn dieses Monats als "Nationalblume
der Schweiz" bezeichnet wurde. Hahaha, das war
doch wohl hoffentlich ein Witz! Pelargonium
stammt ursprünglich aus Afrika, das kann doch
nicht unsere Nationalblume sein! Was ist mit
Leontopodium alpinum (Edelweiss) oder Gentiana
acaulis (Stengelloser Enzian)? Die wären wenig-
stens einheimisch! Aber Pelargonium? Die Pflanze
ist so sehr Zucht, dass sie sogar steril ist, die macht
nicht einmal Samen! Und so was soll unsere National...
Und das nur, weil wohl irgendwann zu Gotthelfs
Zeiten- das war der Schriftsteller, der nie wusste,
ob er Deutsch oder Dialekt schreiben sollte und
beides aufs grausamste vermischte- irgendein
Emmentaler ausgerechnet diese Blume für seine
Balkonkisten entdeckte und es ihm alle anderen
Emmentaler nachmachten! Sogar heute noch!
Kein Wunder, dass mein Vater, der im Emmen-
tal aufwuchs und erst noch in der Gotthelf-Ge-
meinde Lützelflüh (!), die Balkongeranie nicht
leiden kann; er sagt, er hätte in seiner Jugend
zu viele davon gesehen, das wäre eine Blume
für Leute, die keine Phantasie hätten und denen
deshalb nichts Besseres einfällt.
Aber es sind nicht mal die Storchschnabelge-
wächse, die mir am meisten zu schaffen machen:
Ich glaube, es ist das Ozon, das meinen Augen
zu schaffen macht, da nämlich die schlimmste
Zeit in den letzten Jahren meist der Sommer
war, wenn die Heuschnupfenzeit meines Bruders
sich bereits wieder etwas gelegt hatte.
Und auch essen kann ich nicht mehr einfach
alles: Soja, habe ich herausgefunden, vertrage
ich nicht. Ich krieg' davon Magenkrämpfe und
Durchfall. Das war entweder früher nicht so-
dann liegt es vielleicht am Alter- oder es war
früher noch nicht in so vielen Produkten Soja
drin. Was sucht z.B. Soja (oder E322, ein
Stabilisator auf Sojabasis) in Schokolade?
Ich kann keine Schokolade von Coop essen,
weil deren firmeneigene Schokoladen alle-
samt Soja enthalten! Mit einer Ausnahme:
der Bio-Schokolade. Das ist doch irgendwie
verkehrt, oder kommt nur mir das so vor?



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