erst die Wissenschaft hätte damit aufgeräumt. Heute nun gibt es immer
mehr Stimmen, die sagen, die Wissenschaft hätte doch nicht alles erklä-
ren können und werde dies niemals können, es gäbe durchaus, wie es
in William Shakespears "Hamlet" heisst, "mehr Dinge zwischen Himmel
und Erde als unsere Schulweisheit dies erträumen lässt."

Ich persönlich bin der Ansicht, dass Shakespeare hier durchaus recht
hatte. Ich glaube an Magie. Nun werden sicher einige meiner Leser
die Köpfe schütteln- wie kann man, in unserem aufgeklärten, moder-
nen Zeitalter noch an Magie glauben? Gerade diesen aber möchte ich
meine Definition von "Magie" nahelegen. Dieser zufolge ist Magie
nämlich nichts Abgehobenes. Ich kann damit keinen Besen zum Flie-
gen bringen oder Irgendwas aus dem Nichts herzaubern. Magie hat
für mich viel mehr mit einer Betrachtungsweise zu tun, welche eher
in die Bereiche Philosophie und Psychologie hineingeht. Es geht um
die Macht der Gedanken. Damit meine ich nicht etwa Gedankenlesen.
Die meisten sogenannten "Gedankenleser", die in Fernsehshows und
Varietés auftreten, sind lediglich extrem gute Psychologen und noch
bessere Beobachter, die in den Gesichtsausdrücken, der Mimik, der
Gestik, der Kleidung etc. ihre Schlüsse über ihre Mitmenschen ziehen.
Wer die Krimiserie "The Mentalist" kennt oder die Bücher z.B. von
Thorsten Havener oder dem Lügenspezialisten Paul Ekman (dem Vor-
bild für Cal Lightman, die Hauptfigur der TV-Serie "Lie To Me")
gelesen hat, weiss nicht nur, wovon ich rede, sondern auch, wie so
etwas in etwa geht. Wenn ich aber sage, Magie ist "die Macht der Ge-
danken", dann beziehe ich mich damit eher auf Marc Aurel, der ge-
schrieben hat: "Das Glück hängt von der Beschaffenheit deiner Ge-
danken ab". Dies ist für mich der Grundschritt zur Magie, zur posi-
tiven, "weissen" Magie: das, was in der Psychologie seit Jahren als
"Positives Denken" bekannt ist. Wer sich mit unserem Unterbewusst-
sein befasst- denn genau darum geht es in der Magie wie in der Psy-
chologie, zumindest seit Carl Custav Jung, den man gut als "Magier"
bezeichnen könnte- der kann noch weiter gehen zum "Positiven For-
mulieren". Hierbei geht es darum, negierende Wörter, insbesondere
das Wort "nicht" in unseren Formulierungen zu vermeiden, da unser
Unterbewusstsein dieses Wort schlichtweg überhört, weil es ihm un-
bekannt ist. Das Unterbewusstsein kennt das Wort "nicht" nicht. An-
statt zu sagen: "Ich will nicht krank werden", sollten wir also eher
sagen: "Ich will gesund bleiben", weil wir ansonsten möglicherweise
ungewollt unser Unbewusstes erst recht auf "krank" einstellen. Die-
se, lange höchstens in esoterisch angehauchten Kreisen bekannte
Wahrheit, hat inzwischen auch in durchaus kritischeren Teilen der
Bevölkerung Widerhall gefunden.
Magie bedeutet aber auch, sich mit den Vorgängen in der Natur zu
befassen, diese zu verstehen zu versuchen. Genau genommen könnte
man sogar sagen- auch wenn Wissenschaftler dies gar nicht gerne
hören werden-, dass unsere heutigen Naturwissenschaften aus der
Magie heraus entstanden sind. Doch während zu den Zeiten der
Magier noch Naturwissenschaft und Glaube Hand in Hand gingen,
haben sich diese im Laufe der Zeit getrennt. Das mag durchaus seine
Vorteile und seine Gründe gehabt haben, die noch immer bestehen
mögen, doch leider wurde dadurch die Naturwissenschaft extrem
nüchtern und trocken und der Glaube dogmatisch und starr, und wo
immer sie sich widersprechen können, scheinen sie es zu tun, ohne
zu bemerken, dass die beiden Modelle durchaus ineinander verschmel-
zen können. Die Magie der früheren Zeiten war eine Mischung aus
Wissenschaft und Glauben und weiter entfernt von den oft seltsam an-
mutenden Praktiken und Theorien des modernen Esoterikmarkts.
Ich für meinen Teil bin der Ansicht, dass eine Weltsicht, die in oben
beschriebenem Sinn als "magisch" bezeichnet werden kann, durchaus
wieder Chancen hat, diese Welt vielleicht sogar wieder ein bisschen
besser machen könnte. Denn wenn wir wieder anfangen können, über
die Wunder der Natur und die Schönheit der Schöpfung zu staunen,
dann dürften wir automatisch mehr Sorge sowohl zu unsere Umwelt
als auch zu unseren Nächsten tragen.
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