jener Dr.Destiny- Schlüsselgeschichten, in denen Charaktere, die
in späteren Geschichten wichtige Rollen spielen, erstmals auftre-
ten. Ebenso wie die beiden anderen Stories war auch diese ur-
sprünglich als Comic geplant.
Eines Tages erhielt Hiram Destiny, Doktor des Okkultismus und
Spezialist für Magie, wohnhaft in seinem Familiensitz Destiny
Mansion in New Yorks Künstlerviertel Greenwich Village, Be-
such von zwei attraktiven Frauen. Beide waren gross, schlank und
vollbusig. Eine war brünett und trug ihr Haar zu Zöpfen gebunden,
die andere war blond und trug ihr langes, lockiges Haar offen.
Sie zeigten Ausweise der Regierung und geboten Destiny und
seine Assistentin Joy Sweater, mitzukommen. Die Brünette hiess
Natalie Rogers, die Blondine Bernice Allen. Sie erklärten, sie
kämen von einer Eingreiftruppe, die als "Team Y" bekannt wäre.
Destiny und Joy gingen also mit den beiden Frauen, und diese
führten sie, etwas abseits von New York, zu einer in einem Felsen
versteckten Höhle. Innendrin erwartete sie modernstes Computer-
Equipment und fünf Personen und ein Hund, die sich darin auf-
hielten, wovon der Mann mit dem Hund, einem schwarzen Belgi-
schen Schäferhund, sich etwas abseits hielt.

Ein kleiner, dicker, bärtiger Mann mit Lockenkopf, trat auf sie zu.
"Dr. Destiny?" fragte er. "Und die Dame müsste wohl Miss Sweater,
Ihre Assistentin, sein? Ich bin Barry Stetson, der Leiter der 'Intelli-
gence Squadron', einer Geheimorganisation der Regierung."
"Intelligence Squadron? Nie gehört."
"Das liegt daran, dass diese Truppe geheim ist. Wir arbeiten eng
mit dem Team Y zusammen, deren zwei attraktivste Mitglieder
Sie bereits kennen gelernt haben. Kommen Sie, ich führe Sie
durch unser Hauptquartier- wir nennen es 'die Grotte'- und stelle
Ihnen die Anderen vor."
"Barry Stetson gehört zu den Menschen mit den höchsten IQ-Werten
der Welt", flüsterte Natalie Rogers Destiny von hinten in's Ohr. "Des-
halb wurde er zum Leiter der Intelligence Squadron. Spasseshalber
nennt man ihn in Regierungskreisen oft nur 'I.Q'."
Stetson führte seine Besucher zunächst zu einem langhaarigen, schlan-
ken Mann. "Bart Treznor", stellte er ihn vor. "Ein guter Kämpfer in
allen Situationen. Ausserdem Kriegsveteran."
Neben ihm stand eine vollbusige Frau mit rabenschwarzem, langem
Haar. "Kirsten Glory", stellte Stetson sie vor. "Barts Freundin und
eine ausgezeichnete Schauspielerin und Tarnkünstlerin. Sie wird
für Undercover-Einsätze eingesetzt. Wir nennen sie gerne mal
'Actress'."
Die Letzte war ein junges, molliges Mädchen, noch im Teenager-
Alter, das einen grossen Computer bediente. "Sandra Everest",
stellte Stetson auch sie vor, "Informatik-und Mathematikgenie.
Sie wird eines Tages meine Nachfolge als Squadron-Leiter antreten.
Wir nennen sie manchmal auch 'Braingirl'."
"Und mich stellst du nicht vor, Barry?" meldete sich nun der Mann
in der Ecke zu Wort. Barry Stetson seufzte.
"Dieser Mann ist nicht Mitglied der Squadron", erklärte er.
"Mark Gordon", ergriff der Andere, der schlank war und eine Glatze
hatte, selber das Wort. "Und das hier", er deutete auf seinen Schäfer-
hund, "ist Blackbox".
"Mark Gordon?" meldete sich Joy zu Wort. "Habe ich diesen Namen
nicht schon mal in der Zeitung gelesen?"
"Ich hatte ein paar Differenzen mit Vertretern des Gesetzes", erläuterte
Gordon. "Aber wie's aussieht, kommt die Regierung dennoch nicht
ohne mich aus." Er lächelte, Joy lächelte zurück. Dieser Mann hatte
es ihr bereits angetan. Der Hund schleckte ihr die Hand.
"Worum geht es überhaupt?" fragte Destiny Stetson.
"Nun, die Regierung meinte, es wäre ganz gut, Jemanden hinzuzu-
ziehen, der sich...nun ja, mit dem Uebersinnlichen auskennt. Ich sel-
ber glaube nicht an so was, ich bin ein Mann der Wissenschaft, aber
Sonia Kinley..."
"Sonia Kinley arbeitet für die Regierung?"
"Deswegen konnte sie damals keine Gründe nennen, als sie Sie verlassen
musste."
Vor Destinys innerem Auge tauchte ein Bild aus der Vergangenheit auf,
das Bild einer blondgelockten, leicht molligen Frau, einer ehemaligen
Varieté-Messerwerferin, mit der er einst, vor vielen Jahren, eine Beziehung
gehabt hatte.
"Sie war damals einfach weg", erinnerte er sich. "Ohne ein klärendes Wort."
"Sie wurde- jetzt dürfen wir es aufdecken- für den Geheimdienst eingezo-
gen und befürchtete, Sie könnten Ihre Gedanken lesen", meldete sich Ber-
nice Allen zu Wort.
"Hat Sie Ihnen das so gesagt?"
"Das war nicht nötig. Ich wusste es auch so. Ich bin selber Telepathin.
Und Natalie hier", sie deutete auf die eben Genannte, "ist visionär begabt."
"Lassen wir das", warf Berry Stetson ein. "Nun, Dr. Destiny, ich nehme an,
Sie haben in den letzten Wochen die Nachrichten verfolgt? Haben Sie mit-
bekommen, dass zahlreiche, ansonsten harmlose Haustiere ihre Herrchen
und Frauen abgegriffen und teilweise sogar getötet haben? Und dies welt-
weit?"
"Ja, schon..."
"Nun, wir vermuten, dass dieser Mann...", auf dem Computerbildschirm
erschien das Bild eines dunkelhaarigen Mannes mit Schnurrbart, "Robert
Haddaway III., Engländer und Hypnotiseur, etwas damit zu tun hat. Sandra,
was haben wir über ihn?"
"Robert Haddaway III.", meldete sich nun Sandra Everett zu Wort, "ein
britischer Jahrmarktshypnotiseur, der von seinem Publikum ausgelacht
wurde, weil er nur Tiere, aber keine Menschen hypnotisieren kann. Er
schwor dafür Rache, trat von der Bühne ab, mit dem Versprechen, es eines
Tages Allen zu zeigen. Er verschwand für eine Weile, dann fand sich seine
Spur im Himalaya wieder, wo er ein seltsames Gerät gebaut hatte, das wohl
auf sogenannten 'Hypno-Strahlen' basiert."
"Hypnose beruht aber nicht auf Strahlung", warf Destiny ein, "und ist heutzu-
tage auch wissenschaftlich untersucht. Ich verstehe nicht, wozu es für diesen
Fall einen Okkultisten braucht."
"Weisung von oben", antwortete Stetson. "Ich selber war dagegen."
"Wir vermuten", fuhr Sandra fort, "dass Haddaway, der sich als Jahrmarkts-
künstler übrigens 'Hypno' nannte, seine Maschine irgendwie mental steuert.
Das Ganze ist uns noch ein Rätsel. Wir wissen nur, dass es sich dabei um
eine Bedrohung handelt."
"Wie kommt es, dass dieser Hund", Joy deutete auf Blackbox, "davon nicht
betroffen zu sein scheint?"
"Blackbox und ich sind mental verbunden", erklärte Mark Gordon. Joy
streichelte Blackbox, warf dabei aber Gordon immer wieder vielsagende
Blicke zu, die dieser umgehend erwiderte.
Etwa zur selben Zeit, als diese Unterhaltung stattfand, öffnete sich andernorts
ein geheimes Tor in einem Brückenpfeiler, aus dem heraus eine mollige, weib-
liche Gestalt auf einem Motorrad fuhr.
Etwas später blinkte auf dem Computermonitor in der "Grotte" eine rote
Lampe auf.
"Ein Motorrad vor dem Grotteneingang!" rief Sandra.
"Verdammt! Wie konnte uns Jemand finden?"
Stetson, Treznor, Destiny und Joy machten sich auf zum Grotteneingang.
Da stand eine junge, mollige Frau bei ihrem Motorrad. Als sie den Motor-
radhelm abnahm, stiess Joy einen Schrei des Erstaunens aus: "Jasmine!?"
"Sie kennen diese Frau?" fragte Stetson.
"Sie ist meine Schwester", antwortete Joy. "Jasmine Michelle Sweater."
"Meinen Beruf verschweigt sie lieber", ergriff Jasmine das Wort, die brünett
war und ein hübsches Spitzbubengesicht hatte. "Ich bin Kopfgeldjägerin.
Und ich bin schon lange diesem 'Hypno' auf der Spur. Aber nun komme ich
allein nicht mehr weiter."
"Wie haben Sie uns gefunden?" fragte Stetson.
"Berufsgeheimnis", antwortete Jasmine.
"Na gut", meinte Stetson. "Wir können Hilfe gebrauchen. Aber das Eines
klar ist: 'Hypno' gehört der Regierung!"
"Einverstanden. Solange die Belohnung mir gehört."
Wieder in der Grotte führte Stetson die Anwesenden- mit Ausnahme Sandra
Everetts, die vor Ort blieb und den Kontakt zur Regierung gewährleistete-
in die Garage der Grotte. Dort stand ein silbergrauer Sportwagen.
"Alles einsteigen", gebot er.
"Wie sollen wir denn Alle in einem Sportwagen Platz finden?" fragte Jasmine.
"Lassen Sie sich überraschen", meinte Stetson.
Das Innere des Wagens erwies sich als geräumig wie die Ladefläche eines
LKWs. "Meine eigene Erfindung", erzählte Stetson. "Dank einer Raum-Krüm-
mung. Absolut wissenschaftlich." Bei den letzten Worten grinste er Dr. Desti-
ny in's Gesicht.
"Das bezweifle ich nicht", meinte dieser. "Aber wie sollen wir damit in den
Himalaya kommen?"
"Das Ding lässt sich in ein Flugzeug, ein Schiff oder ein U-Boot, sogar in ein
Raumschiff verwandeln. Ich nenne es das 'Brainmobil'. Damit sind wir in
wenigen Minuten im Himalaya."
"Was ist mit dem Hund?" fragte Kirsten Glory. "Ist er nicht ein Unsicherheits-
faktor?"
"Wo ich hingehe, geht Blackbox auch hin", erwiderte Mark Gordon. "Wir
gehören zusammen." Allerdings legte er dabei seinen Arm um Joy, die dies,
zu Destinys und Jasmines Erstaunen, geschehen liess. Dann fuhr Stetson
los, rief noch "Anschnallen!", und schon erhob sich das "Brainmobil" in die
Lüfte.
Es dauerte wirklich nicht lange, bis das Gefährt im Himalaya landete, etwas
abseits der Stelle, an der Hypno seine Maschine installiert hatte. Sie stiegen
aus und schlichen sich leise an. Von der Hypno-Maschine war ein Summen
zu vernehmen.
"Ich kann Erkundigungen einziehen", meinte Natalie Rogers, dann setzte sie
sich im Schneidersitz hin und begann zu meditieren.
"Was soll das denn?" fragte Stetson. Was dann geschah, war für die meisten
Anwesenden unsichtbar, ausser für Joy, welche die Gabe besass, Auren zu
sehen. "Ihre Aura", flüsterte sie Destiny zu, "verdichtet sich zu der Form eines
Vogels."
"Ein Seelenvogel", flüsterte Destiny zurück. "Entweder war sie in einem frühe-
ren Leben eine Isispriesterin, oder sie ist eine mächtige Traumwandlerin."
Kurz darauf bemerkte Joy, dass der Vogel zu Natalie zurückkehrte. Diese
erwachte aus ihrer Trance. "Es ist tatsächlich so", erzählte sie. "Die Maschine
funktioniert mental, verstärkt seine eigene Hypnosekraft um ein Millionen-
faches. Und von hier, dem 'Dach der Welt' aus, kann er die Strahlen in alle
Himmelsrichtungen schicken."
"Also müssen wir seine Konzentration stören", meinte Stetson.
In diesem Moment brach die Nacht ein. Blackbox knurrte.
"Psst", machte Gordon.
Bart Treznor blickte nach oben. "Oh nein!" meinte er dann. "Ist ausgerech-
net heute Vollmond?"
Kaum gesagt, vollzog sich eine Verwandlung mit ihm, und schon bald trat
ein Wesen, halb Mensch, halb Tier an seine Stelle.
"Barts grösstes Geheimnis", erklärte Kirsten Glory. "Er ist ein Werwolf..."
Der Werwolf heulte und sprang aus dem Versteck, lief direkt auf die Ma-
schine zu. Haddaway bemerkte ihn natürlich.
"Was bist du mehr?" fragte er. "Mensch oder Tier? Finden wir's raus!"
Er richtete den Strahl direkt auf Treznor, der umkehrte und nun seine
Kameraden anzugreifen versuchte. Diese mussten ihr Versteck nun zwangs-
läufig aufgeben.
"Bart!" rief ihm Kirsten zu. "Komm zu dir! Ich bin es, Kirsten! Ich liebe dich,
Bart!"
"Bart!" rief Stetson. "Ich bin's, Barry! Dein bester Freund!"
Joy stellte sich hin, schloss die Augen und konzentrierte sich, bis ein strahlen-
des Licht von ihr ausging. Sie setzte die Macht ihrer "Seelenessenz" ein, einer
geheimnisvollen Kraft, die das Gute verstärkt. Bart Treznor kehrte um und
griff Haddaway an, wobei er dessen Hypno-Maschine mit seinen Klauen zer-
störte.
"Robert Haddaway III.", sprach Barry Stetson, "Sie sind verhaftet."
"Womit dann nur noch das Geschäftliche zu klären wäre", meinte Jasmine.
Etwas abseits standen Joy und Mark und küssten sich.
Ein paar Tage später, Joy und Mark waren inzwischen ein Paar, meinte Dr.
Destiny: "Ich würde Sie gerne als Assistentin behalten."
"Ich bleibe nach wie vor Ihre Assistentin", meinte Joy, "auch wenn ich jetzt
einen Freund habe. Schliesslich haben wir immer noch nicht herausgefunden,
was es mit der 'Seelenessenz' eigentlich auf sich hat."
"Hmm", machte Destiny. "Ich glaube, ein guter Anwalt kann Marks Proble-
men mit dem Gesetz gut aus der Welt schaffen. Abgesehen davon, dass er
mithalf, die Welt zu retten. In Destiny Mansion wäre noch ein Zimmer frei.
Und gegen einen Hund hätte ich auch nichts einzuwenden."
Joy fiel ihm um den Hals und, zum ersten und einzigen Mal in ihrem Leben,
gab sie dem alten Mann einen Kuss.
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